
Ob man sich etwas beschreiben oder vorlesen lassen möchte oder hilfreiche Einstellungen und Apps nutzen will: Das Smartphone bietet zahlreiche Möglichkeiten, den Alltag einfacher zu gestalten. Doch wo verstecken sich die nützlichen Funktionen?
Diesen und vielen anderen Fragen gingen im Juli im PIKSL Labor sechs Teilnehmer:innen beim zweiten Termin der dreiteiligen Schulungsreihe für die Lebenshilfe Seelze auf den Grund, tatkräftig unterstützt von Maren Neubelt, Lebenshilfe Seelze, einer Assistenz sowie Pia Eismann, Jesco Schrader, Heike Menzel und Bernd Schittenhelm vom PIKSL Team.
Im Mittelpunkt standen assistierende Smartphone-Anwendungen. Dafür lernte die engagierte Gruppe zunächst das Installieren von Apps, um sich dann eingehend mit den Funktionen von ,,Google Lookout” zu befassen: Richtet man die Smartphonekamera auf einen Text, wird er vorgelesen. Außerdem kann die App Bilder beschreiben und Gegenstände erkennen, eine wichtige Unterstützung für Menschen mit Sehbeeinträchtigung und für Menschen, die nicht lesen können. Die App wurde auch gleich praktisch erprobt und beschrieb den Teilnehmer:innen Gegenstände im PIKSL Labor.

Weitere Themen waren integrierte Bedienungshilfen und assistierende Techniken, die auf Android bereits vorinstalliert sind, vorrangig die Nutzung der Vorlese- und Diktierfunktion. Die Teilnehmer:innen konnten ihre Einstellungen bei Bedarf individuell anpassen und die Funktionen erproben. Auch der Umgang mit ,,Speechify” wurde erlernt, eine App, die digitale Dokumente und ganze Bücher vorlesen kann.
Der motivierten Gruppe haben die Schulungen Spaß gemacht und sie freute sich über das Erlernte. „Es war gut, dass man so viel Hilfe bekommen hat, und man konnte gut an die letzte Schulung anknüpfen,“ lautete eine Rückmeldung. Besonders begrüßt wurde, dass das vierköpfige PIKSL Team gezielt auf die individuellen Bedarfe eingehen konnte. Dabei muss auch berücksichtigt werden, dass leider nicht jedes Android-Handy die gleichen Funktionen hat, um Barrieren abzubauen.
„Insgesamt haben die Teilnehmer:innen zahlreiche Funktionen und hilfreiche Apps kennengelernt und ausprobiert. Zusätzlich zu praktischen Übungen gab es am Ende noch eine digitale Schritt-für-Schritt Erklärung des Lernstoffs für alle“, sagte Pia Eismann, Laborleiterin vom PIKSL Hannover.
„Ich bin sehr zufrieden, und es gab gutes Feedback. Auch ich konnte noch etwas dazu lernen. Außerdem hat es mich gefreut, dass es ein Handout gab. So kann man das Gelernte immer mal wieder auffrischen,“ so Maren Neubelt von der Lebenshilfe Seelze nach der ersten Schulung. „Wichtig ist mir vor allem, dass die Menschen durch die Teilnahme unsere Angebote leichter nutzen können.“
Auch an der ersten Schulung im Juni hatten sechs Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung teilgenommen. Im Mittelpunkt standen Grundlagen und einfache Nutzung von Smartphones, unter anderem nützliche Einstellungen wie Schriftgröße, Wischgesten, Helligkeit, Lautstärke, WLAN, Benachrichtigungen, Akkuschutz, Kontakte erstellen und blockieren. Die Gruppe befasste sich außerdem mit Sicherheit und Datenschutz, lernte, was ein sicheres Password ausmacht und wie sie eigene Daten schützten können.
Weiter geht es im August mit dem dritten Schulungstermin, die Module sind thematisch nach den Wünschen der Lebenshilfe konzipiert, bauen aufeinander auf und bieten Raum für das praktische Umsetzen des Erlernten. Auf dem Programm steht eine Einführung in Messengerdienste wie Whatsapp, Signal oder Telegram. Geübt wird unter anderem: Nachrichten schreiben, Sprachnachrichten versenden, Fotos, Videos und Dokumente teilen und Videotelefonie und Anrufe. Dabei werden auch Datenschutz und Sicherheit in und von Messengern berücksichtigt. Fragen zum Schulungsangebot des praxisnahen, gemeinnützigen PIKSL Labors beantwortet Pia Eismann gern unter (0173) 2 16 65 17 oder pia.eismann@diakovere.de, auch individuelle Schulungskonzepte können auf Wunsch erstellt und umgesetzt werden.
Das PIKSL Team hat sich sehr über die Schulungsanfrage und die produktive Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Seelze gefreut. Die Organisation setzt sich für die Inklusion und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung ein und schafft mit ihrem Projekt „Du und Ich“ und der Datingwebseite „Herzenssache.net“ ein umfassendes Angebot, um ihnen bei der Verwirklichung ihrer Wünsche nach Freundschaft und Partnerschaft zu helfen, sowohl on- als auch offline.
„Du und Ich“ bietet verschiedene Angebote wie Kennenlernpartys, Speeddatings, Ausflüge und Workshops zu Themen wie Flirten und Beziehungsgestaltung an. Außerdem ist die Lebenshilfe Seelze ein Kooperationspartner der Datingwebseite Herzenssache.net in der Region Hannover, eine besonders geschützte Online-Partner:innenvermittlung, die speziell für Menschen mit Behinderung entwickelt wurde. Der Profilerstellung ist ein persönliches Gespräch vorgeschaltet, um sicher Freundschaften schließen oder eine Partnerschaft finden zu können und dabei Datenmissbrauch und unseriöse Angebote zu verhindern.
Mit dem Projekt „Du und Ich“ unterstützt die Lebenshilfe Seelze Menschen mit Behinderung auch dabei, ein Profil auf Herzenssache.net zu erstellen und begleitet den gesamten Prozess. Die Online-Plattform ergänzt ein offenes Café Angebot mit realen Begegnungsmöglichkeiten. Außerdem realisiert „Du und Ich“ Beratung und Workshops zu Themen wie Freundschaft, Liebe und Sexualität, die die Nutzer*innen von Herzenssache.net zusätzlich unterstützen.