Teaser - Über PIKSL

Kontrast

Zeichengröße

Was ist Piksl?

„Es genügt eben nicht, dass Technik gut funktioniert. Sie muss auch in die Welt passen.“ – Gero von Randow, dt. Wissenschafts-Journalist


Digitale Kommunikation und Information ist ein fester Bestandteil des Alltags geworden: Über das (mobile) Internet tauschen sich Menschen - unabhängig vom Aufenthaltsort - zunehmend aus und informieren sich über unterschiedlichste Themen. Ebenso selbstverständlich werden verschiedenste Dienstleistungen in Anspruch genommen. Verstärkt lässt sich beobachten, dass bestimmte Bevölkerungsteile von dieser Entwicklung nicht gleich stark profitieren können. So lässt sich etwa in der Lebenswelt von Menschen mit geistiger Behinderung gegenwärtig nur wenig Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnik feststellen. Häufig sind Zugänge für Menschen mit kognitiven Einschränkungen nicht barrierefrei: Sei es der Zugang zu Nachrichten in einfacher Sprache, das Generieren eigener Inhalte im Web, der Onlineeinkauf oder die Teilnahme an E-Learning Angeboten.

Das Projekt PIKSL der In der Gemeinde leben gGmbH (IGL) verfolgt das Ziel, moderne Informations- und Kommunikationstechnologie für Menschen mit geistiger Behinderung zugänglich zu machen und weiter zu entwickeln: Dadurch soll die Teilhabe an der Gesellschaft erleichtert, die Abhängigkeit von professioneller Unterstützung reduziert und ein selbstbestimmteres Leben erreicht werden. Mit dieser Zielsetzung macht sich das Projekt PIKSL ganz konkret zur Aufgabe, die Anforderungen der UN Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung umzusetzen¹. Beispielhaft seien hier die Artikel 9 Zugänglichkeit, Artikel 21 Recht der freien Meinungsäußerung, Meinungsfreiheit und Zugang zu Informationen und Artikel 24 Bildung genannt.
Maßgebend für das Projekt PIKSL ist es, die Technik auf die Bedürfnisse von Menschen mit geistiger Behinderung auszurichten: Die Besonderheit besteht darin, dass Menschen mit Handicap als Entwickler und als Referenzgruppe gemeinsam mit Experten aus Forschung und Wissenschaft stigmatisierungsfreie Lösungen erarbeiten. Die aktive Beteiligung der Nutzerinnen und Nutzer soll mittelfristig auch finanziell anerkannt werden. Ein Konsortium mit Fachleuten aus Forschung, Entwicklung, Design und Sozialwesen begleitet PIKSL seit Projektbeginn 2010. Das langfristige Ziel ist es, Erkenntnisse aus dem Projekt PIKSL zu nutzen, um damit nachhaltige Geschäftsmodelle für die Behindertenhilfe zu entwickeln.
Im Mittelpunkt des Projekts steht das PIKSL Labor in Düsseldorf Flingern: Es ist eine Schnittstelle zum Ausbau sozialer Vernetzung und interdisziplinärer Kommunikation. Über den multimedial-vernetzten Ort mit Computerarbeitsplätzen können Menschen mit geistiger Behinderung – unterstützt durch ein offenes erwachsenbildnerisches Angebot – Erfahrungen im Umgang mit digitaler Informations- und Kommunikationstechnik sammeln und ihre Kenntnisse vertiefen. Das PIKSL Labor ist Treffpunkt und Denkfabrik an dem Klienten nicht nur an PIKSL teilhaben, sondern als Entwickler und Forscher in den Entstehungsprozess technischer Lösungen eingebunden werden. Über Andockprojekte können Partner und Nutzer/-innen Fachwissen zusammenführen und Erkenntnisse beispielsweise dazu verwenden, eine barrierefreie und mobile Kommunikationsplattform für Menschen mit geistiger Behinderung zu entwickeln. Das PIKSL Labor als Projektherzstück steht allen Fachbereichen zur interdisziplinären Arbeit offen. Ein weiteres Forschungsfeld sind »intelligente« lebensunterstützende Assistenzsysteme – so genannte Ambient Assisted Living Systeme (AAL Systeme) – für das Ambulant Betreute Wohnen, um so mehr Autonomie zu ermöglichen.

Die modellhafte Vorgehensweise des Projekts PIKSL wird durch sozialwissenschaftliche Forschung (Zentrum für Planung und Evaluation Sozialer Dienste an der Universität Siegen) begleitet, um Voraussetzungen, Auswirkungen und Potenziale moderner Kommunikations- und Informationstechnologie für Menschen mit geistiger Behinderung besser einschätzen zu können. Das Modellprojekt wird über die Laufzeit von drei Jahren mit Mitteln der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW gefördert und u. a. durch die zwei Gesellschafter der IGL, die Diakonie Düsseldorf sowie v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel, unterstützt.